Santa Marta und eine unvergessliche Wanderung zur Ciudad Perdida

Nach so vielen Wochen im Hochland und bei kaltem Wetter war meine Sehnsucht nach warmem Wetter schon rießig. In diesem Blogbeitrag verrate ich dir, warum die Wanderung zur Ciudad Perdida eine der BESTEN meines Lebens war.

Wieder habe ich eine eiskalte Nacht in einem Reisebus überstanden. Unglaublich wie kalt. Warum die Busse wie Kühlschränke runtergekühlt werden möchte ich echt wissen. Naja auf jeden Fall muss man sich keine Gedanken darüber machen, ob das Lunchpaket für die Fahrt verdirbt. Bei dieser kälte bleibt alles frisch. Hat also alles auch etwas Positives ;-)

Endlich im Warmen. Santa Marta fand ich deshalb gleich toll. An dieser Stelle habe ich einen Hostel-Tip für euch - das Calle 11 Hostel und einen Touranbieter - Expotour. Wie ihr wisst mag ich eigentlich alles auf eigener Faust machen und keine Touri-Tour, aber manche Wanderungen sind nur mit Touranbieter erlaubt. Im kolumbianischen Gefängnis wollten wir dann auch nicht landen.

Sonne, Strand und Meer. Nüchtern betrachtet ist die Stadt eigentlich nicht wirklich toll hahaha. Das war wohl nur meine Sehnsucht nach Wärme. Was aber auf jeden Fall toll ist und was ich auch allen Leuten wärmstens empfehlen kann, aber nur wenn man körperlich fit ist, ist die Wanderung zur Ciudad Perdida (die Verlorene Stadt). So verloren ist die Stadt dann auch nicht mehr, da dort mittlerweile viele Reisende hinpilgern, um sich selbst zu finden oder zuminest mal ein paar Tage abseits von Zivilisation, Internet und Strom richtig an die eigenen Grenzen zu kommen. Ciudad Perdida liegt in der Sierra Nevada de Santa Marta ganz im Norden von Kolumbien und ist so wie Machu Picchu (bekannter und touristischer) eine der größten wiederentdeckten Städte Südamerikas. Die Verlorene Stadt besteht aus 200 runden und ovalen Terrassen. Echt atemberaubend der Anblick und natürlich auch die Wanderung dort hinauf.

Wie kann man sich die Wanderung vorstellen?

Es ist auf jeden Fall davon abhängig, ob du sie in der Regenzeit oder beispielsweise Sommerzeit machst. Bei uns war gerade das Ende der Regenzeit und es hat zwar manchmal leicht geregnet, aber war gut auszuhalten. Man wandert vier Tage lange im Grünen durch Wälder, überquert Flüsse (manchmal mit Brücke manchmal über Steine oder einfach Schuhe ausziehen und durchwaten) sieht indigene Einwohner, erklimmt wieder kleine Berge mit mega Aussicht und landet am Ende eines Wandertages in kleinen Camps. Jede Gruppe besteht aus 10-12 Leuten plus einem Einheimischen als Führer sowie einem Übersetzter, da die inidgenen Völker eine sehr seltene Sprache sprechen.

Die indigenen Einwohner fand ich persönlich besonders interressant, da diese abseits jeglicher Zivilisation in den Wäldern leben und klarerweise total anders sind als wir. Oder sind wir einfach anders als sie? Das sei mal dahingestellt. Beispielsweise tragen alle (Männer, Frauen und Kinder) weiße lange Kleider. Man darf den Männern nicht in die Augen sehen. Die Kinder fragen manchmal, ob sie Süßigkeiten bekommen können. Oft kommt einem eine kleine Familie aus dem Nichts im Wald entgegen und man begrüßt sich einfach nur und geht weiter. Am liebsten wäre ich ihnen ja teilweise gefolgt und hätte gesehen, in welchen Stamm sie leben. Groß sind sie übrigens auch nicht. Ich denke der größte Mann den ich gesehen habe war gerade mal 165 cm groß. Aber bedenkt man, dass ihre Strohhütten sehr klein sind, macht dies auch Sinn. Was ich auch total arg fand, war die Tatsache, dass der Häuptling jedes Stammes alle Neugeborenen begutachtet und wenn er ein Kind als Krank oder körperlich beeinträchtigt empfindet, wird es getötet. Ich war schockiert, als ich von unserem Führer davon erfahren habe. Er meinte, dass ein krankes Kind im Wald sowieso nicht überleben würde und schwenkte sehr schnell vom Thema ab. :-( Ihre Art der Auslese. Näher kann ich darauf nicht eingehen, weil mir mehr Informationen fehlen bzw. mich dieses Thema extremst mitnimmt!

In den Camps, bestehend aus ca. 40 Betten, schläft man mit der ganzen Wandergruppe in Matratzenlagern, bekommt ausreichend Essen sowie Trinken und hat einfach Spaß mit den anderen Reisenden. Wir haben jeden Abend bis spät in die Nacht, meist mit Kerzenlicht oder Taschenlampen/Handylicht, Karten gespielt und uns Geschichten erzählt. Man wandert jeden Tag rund sechs Stunden bis das nächste Camp erreicht wird. Keine Sorge, es werden zwischendurch genügend Pausen eingelegt, wo man wieder mit frischen Früchten und Wasser versorgt wird.

Die ganze Tour ist sehr gut organisiert und es fehlt einem an nichts. Das einzige was man selbst braucht ist Energie und (wirklich besonders wichtig) einen kleinen Rucksack. Hier emfpehle ich wirklich leicht zu packen. Man muss den Rucksack plus Wasser stundenlange herumschleppen. Was ich dabei hatte: Moskitospray, Sonnenschutz, Zahnbürste, Zahncream, zwei Flaschen zum Auffüllen für Wasser, drei paar Socken, Bikini (es gib die Möglichkeit im Bach zu baden), vier Unterhosen, Radlerhose, lange Trekkinghose, zwei T-Shirts (ein sauberes nur fürs Schlafen) Kopfbedeckung, Reisehandtuch, Seife und eine kleine Version meiner Reiseapotheke.

Nehmt euch auf jeden Fall nach dieser Wanderung ein oder zwei Tage Zeit zum Entspannen. Es gibt sehr viele schöne Orte und Strände nur wenige Stunden mit dem Autobus von Santa Marta entfernt. Bedenkt auch, dass ihr auf dieser Wanderung enge Freunde machen werdet und ihr mit diesen anschließend eine lustige Partynacht in Santa Marta erleben wollt ;-) Auf dieser Wanderung wächst man echt zusammen und trifft vielleicht Seelenverwandte oder Freunde fürs Leben.

Also worauf wartest du noch? Auf nach Kolumbien.