Meine Lieblingsstadt in Kolumbien - Medellin

Ich habe mich schon so sehr auf Medellin gefreut, weil ich die Stadt dank der Serie Narcos (Netflix) schon kannte und total schön fand. Aber wie zu erwarten war hat die Realität alles getoppt und ich hatte unvergessliche elf Tage, statt nur drei, in Medellin.

Medellin eine Stadt mit viel Geschichte und einem Hintergrund der mich total fesselt. Eine Stadt die noch vor rund zehn Jahren nur für ihre hohe Kriminalität und Drogenkartelle bekannt. Sie hat einen extremen Wandel vollzogen, den man an allen Ecken sprüren kann. Hier spürt man den Zusammenhalt und das gemeinsame Aufbauen der Einheimischen ganz stark. Jeder ist stolz darauf aus Medellin zu sein und tragt seinen Beitrag dazu bei, dass die Stadt anders wahrgenommen wird als noch vor wenigen Jahren. Sehen kann man das beispielsweise an der U-Bahn, die der große Stolz aller Einheimischen ist, denn diese hat viel zur Veränderung beigetragen. Die wohl sauberste U-Bahn die ich jemals gesehen habe. Man findet nicht mal einen Kauguimmi oder ein Stück Papier am Boden. "Die U-Bahn der großen Veränderung" wird von jedem wie ein Schatz behütet.

Auch kulturell hat die Stadt einiges zu bieten, weshalb sie bestimmt in den nächsten Jahren noch beliebter wird für Touristen.

Ich möchte euch gleich einen extrem tollen Hostel Tipp, nämlich das Black Pine, wohl eines der besten Hostels in denen ich je war. Es ist mehr ein familiäres Zusammenleben, als ein Hostelleben, was man dort vorfindet. Das Personal ist so toll, hilfsbereit und freundlich und irgendwie waren auch alle Leute die wir in unseren elf Tagen in diesem Hostel trafen auch total cool. Es ist aber kein Partyhostel, das muss ich gleich dazu sagen. Wer ein Partyhostel sucht der wird in Medellin auch fündig, denn die gibt es dort wie Sand am Meer.

Was du unbedingt machen solltest in Medellin ist die "Real City Tour" (http://www.realcitytours.com/), denn diese wird dir sehr schnell die Angst vor dieser großen Stadt nehmen und infiziert dich gleich mit einem hauch an "alles ist möglich Flair", der hier vorherrschend ist. Die Tour sollte man zwei drei Tage vorher online buchen. Ja ich mag keine Touristen-Touren, aber diese Art von Touren finde ich toll. Mit einem Einheimischen die Stadt erkunden und über die Geschichte erfahren sowie Tipps von Einheimischen bekommen. . DAS IST EINFACH EIN MUSS, um dieser Stadt gerecht zu werden. Wenn wir schon bei Touren sind. Wir haben mit dem selben Touranbieter auch noch die "Comuna 4" Tour gemacht. Das ist ein Slum das auf einem Müllberg gebaut wurde. Menschen haben mit aller Kraft und Kreativität aus dem "Schlechten", etwas Großes geschaffen. So beeindruckend und bewegend!

Auch die Pablo Escobar Tour kann ich empfehlen, wenn du erfahren möchtest was damals wirklich passiert ist. Wir hatten als Guide einen Polizisten, der zur Zeit von Escobar aktiv war. Man kann auch eine Tour mit dem Cousin von Pablo machen. Bei diesen Touren fährt man übrigens mit dem Auto herum und die Personenzahl ist somit auf vier beschränkt. Es ist sehr bewegend mit jemandem zu sprechen der genau zu dieser Zeit gelebt hat und der einem erzählt wie viel Angst in dieser Stadt vorherrschend war. Man war nie und nirgends sicher bzw. als Polizist wusste man, dass es jeden Moment aus sein könnte und man erschossen wird. Wirklich bewegend und berührend.

Was mir besonders gut gefallen hat in Medellin waren neben den vielen kleinen Häusern, Gassen und Hügeln auf jeden Fall die Graffitis. Ich liebe diese Art von Kunst und Ausdrucksform. Jedes für sich mit viel Hingabe an die verschiedensten Wände von Häuser oder Zäune gesprayt. Hier gibt es eine richtige Graffiti-Kultur. Es gibt auch eine spezielle Favela (Comuna 13), die berühmt ist für ihre Graffitis. Eine Favela in der man vor zehn Jahren noch erschossen worden wäre, wenn man sie betreten hätte. Das hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Ich habe mich überall wohl und sicher gefühlt. Im Gegenteil, eigentlich habe ich mich gerade in den Favelas voll frei gefühlt und wäre am liebsten gleich herumgelaufen und hätte mit allen Menschen gesprochen. Leider spreche ich aber kein Spanisch, weshalb dies nicht möglich gewesen wäre.

Was man in Medellin auf jeden Fall machen sollte, was  auch total viel Spaß gemacht hat, ist ein Fußballspiel ansehen. Ich bin ja eigentlich kein Fan von Fußball, aber die Stimmung im Stadion ist der Hammer, das muss man gesehen haben.

Was das Partyleben betrifft ist in Medellin zu 100% für jeden was dabei. Ob traditionelle Tänze oder sogar gratis Tanzkurse in Clubs, die voll Spaß machen, Hip Hop, Electronic, DnB, und und und... es gibt wirklich so viele verschiedene Möglichkeiten um die Nacht in Medellin lustig zu verbringen. Neben den üblichen Lokalen gibt es auch immer wieder Festivals oder Konzerte, also immer am Laufenden bleiben und im Hostel nachfragen.

Wir machten auch einen Tagesausflug nach Guatape. Wirklich atemberaubend dieser Ausblick vom Berg, welchen man über rund 740 Stufen erklimmt. Auf jeden Fall eine nette Abwechslung, wenn man tagelange in der Großstadt war. Nach Guatape sind wir  mit den Öffis gefahren. Es würde auch hier wieder eine Tour geben, aber diese Touren kosten halt auch immer einiges an Geld und man ist in großen Gruppen und nur wenig flexibel. Also einfach im Hostel andere Reisende fragen, ob wer Lust hat gemeinsam was zu machen, dann seid ihr auch nicht alleine und könnt so gut wie ALLES ohne Tour machen und gleichzeitig tollen Leuten näher kommen.

Medellin ist wirklich eine Reise wert! Neben meiner Nummer eins Rio de Janeiro sind definitiv Medellin und Amsterdam meine Nummer zwei :-)