Bolivien Teil 3 (Rurrenabaque - Amazonas und Titicaca See)

Als aus einem Scherz Wirklichkeit wurde und ich mit einer halb kaputten Propellermaschine zum Amazonas flog. Dem nicht genug, denn es wurde auch noch gegen Moskitos gekämpft und es gab eine gefährliche Begegnung mit einem Kaiman.

Von einem der am höchsten gelegenen Flughäfen der Welt (Aeropuerto Internacional El Alto 4061 hm und knapp 15 Grad) ging es mit der grindigsten Propellermaschine die ich je gesehen habe nach Rurre (142 hm und ca. 30 Grad sowie gefühlte 80% Luftfeuchtigkeit).

Um ehrlich zu sein, dachte ich an diesem wundervollen Tag wird mein Leben enden, als wir am Rollfeld unseren Flieger suchten, mit acht anderen Reisenden. "Lustigerweise" sah ich schon von der Ferne eine total schäbige und sicher 100 mal geflickte Probellermaschine. Ich meinte zu den anderen nur so:" oh mein Gott schaut euch mal dieses Ding an". Tja und wie es so sein sollte brachte uns der Pilot höchstpersönlich genau dort hin. Ich wusste, dass ich jetzt entweder davonlaufen kann oder einfach all meinen Mut zusammen nehmen muss und da einfach einsteigen. Zur Sicherheit habe ich mir mal meine Kopfhörer aufgesetzt und voll laut meine Lieblingsplaylist gehört, da ich dachte, dass ich so einfach viel cooler von der Erde Abschied nehmen könnte. Das hat mich dann auch eigentlich wieder voll beruhigt und meine Stimmung gehoben. Ich war nun relaxed und voll motiviert duch die Musik. Die Propellermaschine hatte ein kleines Problemchen, denn der rechte Probeller wollte sich einfach nicht drehen, weil es Probleme mit der Elektrizität gab. Tja, ist ja kein Ding, wenn man weiß, dass man gleich mit dieser Maschine über den Amazonas fliegen wird ;-) Zum Glück war unser Pilot aber scheinbar ein sehr geschickter junger Mann und hat begonnen händisch den Propeller zu drehen. --> dazu sage ich jetzt einfach nichts - in Bolivien sind die Sicherheits- und Technischen Standards wohl anders.

Ja ich habe überlebt! Ich bin zwar ohne Rucksack, denn der kam leider wieder mal nicht an, aber dafür gleich mit ca. zehn Moskitostichen, gelandet. Das Dorf das eigentlich nur aus zwei Straßen bestand ist eigentlich nur Ausgangsbasis für verschiedenste Aktivitäten, wie beispielsweise Dschungel- oder Amazonastour. Es gibt dort mehr Touragencies als Restaurants oder Kaffees. Also eigentlich wirklich eine sehr fade Stadt hahahhaha aber gut, um zu entspannen, da auch das Internet dort nicht wirklich funktioniert.

Wo wir schon beim Thema Internet sind, das ist überhaupt so eine Sache in Bolivien. Bis auf La Paz ging das WLAN nämlich in keiner Stadt besonders gut, deshalb habe ich auch sehr sehr wenig gepostet bzw. wenige Stories auf Instagram gestellt. War aber wie ich finde auch mal ganz nett, weniger online zu sein, um mehr das Offline zu genießen.

Welcher Touranbieter der Beste ist für den Amazonas kann ich euch leider nicht verraten, aber wir waren mit Scorpion recht zufrieden. Die Preise sind sowieso überall gleich.

Im Tagebuch habe ich gerade gesehen, dass ich den Amazonas Trip "Moskito Survival Camp" nannte. Tja, das hat es wirklich getroffen. Man kann sich nicht vorstellen, wie viele Moskitos an nur einem Arm Platz haben können. Tipp an dieser Stelle: ziehe dir weite lange Bekleidung an. Gut eignet sich ein altes, weißes, zu großes Männerhemd und eine Hippiehose. Bringe auf jeden Fall mindestens eine Flasche Moskitospray mit 40-70% Deet mit, ansonsten wird dein Trip eher zum Mosikitofestmal. Ja sogar, wenn man aufs Klo geht und die Hose mal kurz eine Minute runterzieht oder beim Duschen ein Arm seitlich raussteht, kommen schon die Blutsauger.

Für mich waren die drei Tage wirklich Erholung pur für die Seele. Einfach fantastisch, mitten im Grün mit so vielen genialen Tieren jeden Tag aufzuwachen. So viele Tiere, von deren Existenz ich bislang noch nicht mal was gewusst habe, konnte ich sehen. Kein Handy, kein Radio, kein Internet, sondern nur die Natur und ich. Wirklich traumhaft.

Eines meiner Highlights war, als wir in der Nacht mit dem Kanu rausfuhren, auf der Suche nach Kaimanen. Die findet man recht leicht, denn sobald man herumleuchtet, kann man die hellen, gelb scheinenden Augen entdecken. War echt total spannend und aufregend in einem kleinen Kanu zu sitzen und zu wissen, dass neben einem gerade ein Kaiman schwimmen könnte *gg*. Das Zweite Highlight war sogar in der gleichen Nacht, als wir mit dem Kanu bei einem ehemaligen Camp halt machten, um dort noch mehr Tiere zu sehen. Leider hat unser "Führer" vergessen, das Kanu festzubinden. Als er es bemerkte schrie er nur noch "Hey guys the boat", riss sich alle Kleider vom Leibe und sprang ins Wasser. Ja genau, in das gleiche Wasser wo wir zuvor noch voll viele wilde Tiere gesehen haben und das mitten in der Nacht. Da ist mir wirklich mal das Herz in die Hose gerutscht, weil ohne Guide auf einem Steg, wo rundherum kleine Krokodile sind... naja, wäre keine so chillige Nacht geworden.

Nach diesen tollen Tagen mit Dom und meiner besten Freundin hieß es aber dann wieder Abschied nehmen, da Vicis Reise in Südamerika endete und für uns noch weiter ging bis Kolumbien. Ja, Abschiede hasse ich wirklich...dazu kann ich gar nicht mehr schreiben bzw. beschreiben, wie mir das Herz immer weh tut, wenn ich Tschüss sagen muss.

Zurück in La Paz wollten wir gleich weiterreisen zum Titicaca See um keine Zeit zu verschwenden. Leider war aber scheinbar ein Feiertag und es fuhren keine Busse. Also Planänderung, Hostel suchen und am Abend auf eine italienische Pizza gehen (hätte ich besser bleiben lassen sollen). Tja, leider wurde ich scheinbar von der Pizza krank - Fieber und .......Lebensmittelvergiftung und zwei Tage Hostelbett mit vielen unzähligen Besuchen im Gemeinschaftsklo. Arzt habe ich keinen aufgesucht, weil ich merkte, dass mein Körper das schon ohne Medizin schaffen wird. Ich habe viel Coca Tee getrunken und den ganzen Tag geschlafen. Scheinbar wollte sich mein Körper auch mal wieder von Innen reinigen ;-) Nach zwei Tagen ging es geschwächt, aber dafür voll glücklich, da es mir schon etwas besser ging, weiter bis zum Titicaca See.

Ich war schon beeindruckt vom Titicaca See, aber ich fand die Stadt etwas langweilig, da ich noch zu geschwächt war um großartig wandern zu gehen. Leider hatten wir auch mit dem Wetter nicht viel Glück. Wir entschieden uns deshalb spontan nur eine Nacht zu bleiben und zumindest auf den Aussichtspunkt zu gehen. Das wars auch schon wieder und die Reise ging weiter nach Peru. Neues Land, neues Glück ;-)

Alles Liebe und Namasté,

eure Miriam